Adam Noidlt Missiles

Conductor: Frank Köllges




Jedes Konzert ist ein individuelles Ereignis, die Inszenierung eines Erlebnisraumes sui generis; das ist ein Grundsatz des "kybernetischen","demokratischen" Orchesters .

Vorab festgelegt: Nur wenig; einige Grundstrukturen, die Arm-und Handbewegungen des Dirigenten FRANK KÖLLGES (alias adam noidlt), die Tempo, Klangintensität und Intervalle angeben. Ansonsten Mimik , Körpersprache, Tanz des Dirigenten, die Stimmung und Charakter der Musik, Einfälle vermitteln, Soli fordern oder die Rhythmusgruppe antreiben-"wild conducted system".

Keine Noten, keine Partituren, kein Repertoire, sondern Improvisation, ad-hoc Komposition, Freisetzung von Energie, Dialoge mit dem Umraum. Kommunikation, nicht nur der Musiker und ihrer vielfältigen Instrumente untereinander, sondern auch mit ihrer jeweiligen Umgebung, mit Werken der Kunst, mit Landschaften, Bauten , deren Eigenart und Klangfarbe aufgenommen, musikalisch umspielt und umgesetzt wird. Entsprechend interdisziplinär und multimedial ist dies Orchester von Individualisten ganz unterschiedlicher Herkunft und Fähigkeiten: Musik und Visuelles gehen, sich gegenseitig Impulse gebend, in ständig wechselnden Konstellationen interpretativ aufeinander ein.

Stil: die Collage. Alle musikalischen Richtungen, denen die einzelnen Orchestermitglieder entstammen und die das Publikum jeweils als vertraute Hörgewohnheit schätzt: von den verschiedenen Sparten des Jazz über Rock, Pop, Folklore, Blues, Salsa, Flamenco bis hin zur neuen E-,und experimentellen oder konkreten Musik, von sanfter Melodiösizität bis hin zum puren Geräusch oder atonalen Creszendo wird alles zitiert, oftmals witzig , ironisch konterkariert, gelangt niemals zur Entfaltung, wird unterbrochen, im ständig rollenden Fluß der Musik verwandelt, ins Quer, Schräge, absichtlich Disharmonische überführt. Die Erfüllung und das Abbrechen von Erwartungshaltungen setzen beim Hörer Erkenntnis-prozesse in Gang. Gefühle und Ideen werden frei. Dies ist "freie populäre Musik, man sieht, wie sie gemacht wird "( Frank Köllges). Niemals wirkt dieser pädagogische ` Impuls belehrend, dafür sorgt zum Beispiel die alles mitreißende Spielfreude der Musiker, wenn sie aus dem Wechselspiel von Solisten und kleineren Orchestergruppen heraus, vorwärts getrieben vom ständig schwingenden Rhythmus, schließlich unter massivem Einsatz des gesamten Klangkörpers das Ganze zu einem Höhepunkt von wuchtiger Eindringlichkeit steigert.

Spätestens hier schlägt beim Publikum dieses ganz und gar unkonventinellen Orchesters die Balance zwischen Irritation und Unterhaltung um in reine Euphorie.