André Nendza

Kontrabass, Blekete, Bass-slit-drum, E-Bass, Komposition 

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Jahrgang 1968 

Anfänge: In den Funk-verrückten 80zigern fing ich, zunächst im wesentlichen autodidaktisch, mit dem E-Bass an. Von Tag 1 an produzierten wir ohne Können, aber voller Kreativität und Leidenschaft eigene Songs. Stilistisch bewegte sich das Ganze zwischen funkigem Pop und seltsam jazzigen Anklängen, seltsam, weil „Jazz“ damals in meiner Erfahrungswelt eher für biertrinkende Dixiemusiker auf CDU Stadtfesten stand. In der äußerst aktiven Jazz-AG meiner Schule konnte ich meine ersten Life-Erfahrungen machen. Nachdem dann die hormongesteuerten „Popstarträume“ begraben wurden, begann ich mich langsam ernsthafter mit Jazz auseinanderzusetzen. Das führte zu ersten Fusionbands wie „Offspring“ (mit einem 17jährigen Philipp van Endert) und „Slap step“, eine Band die bis in die Mitte der 90ziger bestand und mit der ich meine ersten überregionalen Konzerte hatte. (U.a. für 100 Gulden - und wer wollte, ein bißchen Gras - bis an den hintersten holländischen Deich, natürlich ohne Hotel und Konzertbeginn um 23 Uhr)

Ausbildung: Zunächst 1990 einjähriges Vorstudium an der Hochschüle der Künste, Hilversum, dann ab 1991 Studium an der Musikhochschule Köln bei Prof. Jiggs Wigham. Zudem stand vor allen Dingen der private Bass-Unterricht bei Stefan Rademacher und Gunnar Plümer in dieser Zeit im Zentrum meiner Studien. Rademachers durchdachtes Technik-Konzept, welches immer vorallem auf musikalischen Ausdruck abhebt, steht für mich in der E-Bass Pädagogik allein auf weiter Flur, zudem war er der erste Lehrer, der mir so etwas wie Klangbewusstsein vermitteln konnte. Gunnar Plümer zeigte mir den Geist des Jazz. Sein lebendiger Stil und seine Fähigkeit, einen Schüler „anzukicken“ (und auch im rechten Moment runterzuholen) waren für mich fortwährende Inspiration. Als Spieler zählt er nach wie vor zu meinen Helden. Seine Projekte mit Hugo Read und Mathias Nadolny sprechen hier eine deutliche Sprache. 

Helden: Bis heute bin ich fast schon patologisch plattenverückt. Folglich fällt es mir ungeheuer schwer, die Zahl meiner Helden zu begrenzen. Auch geht mein musikalisches Interesse über den Jazz hinaus. Deswegen nur als Ausschnitt: Jaco Pastorius, für mich das einzige E-Bass Genie, hat für sein Instrument Maßstäbe gesetzt und ist darüber hinaus ein von Kritikern kaum anerkannter Komponist (ähnliches gilt für "Weather report"). Dave Hollands Arbeit als Bassist, Bandleader und Komponist ist in seiner Vielseitigkeit eine große Inspiration. Keith Jarretts „Belonging“ Band mit Jan Garbarek, Kenny Wheeler, Eberhard Weber und einige andere s.g. ECM-Künstler waren sehr wichtig für ein anderes Klangbewusstsein. Derzeit finde ich sowohl auf der französischen, als auch auf der skandinavischen Szene viele Anregungen. Musiker wie Renaud Garcia-Fons, Louis Sclavis und Nils Petter Molvaer seien hier exemplarisch genannt. über allen Dingen und ohne Worte: Miles Davis und John Coltrane 

Einschnitte: 1987 bin ich in das Projekt „Winterzauber“ des Schlagzeugers Christoph Hillmann geraten. Zu diesem Zeitpunkt war ich ein 18-jähriger, gut angezogener, latent arroganter und schlecht ausgebildeter Funk-Bassist. Bei der Musik dieses Projektes ging es für mich z.B. darum, in für mich damals hoch komplexen Formen bei ungeraden Taktarten alle 13 Takte die 7und zu treffen. Nun... meist traf ich nicht und so entwickelte sich dieses Projekt für mich zu meinem „Waterloo“. Dennoch, und nur deshalb erwähne ich es hier, führte diese Niederlage dazu, das ich endlich ernsthaft mit dem üben begann. Außerdem ist heute Christoph Hillmann meist erste Wahl für meine eigenen Projekte und so hatte der „Winterzauber“ auf lange Sicht doch noch sein Gutes. 
1995 war für mich ein wichtiges Jahr. Zu diesem Zeitpunkt schien ich mir nicht sicher, wie und ob ich meine eigenen Projekte weiter forcieren kann. Einige Kollegen meiner Generation wirkten auf mich extrem lustlos und stellten Forderungen auf, die in keiner Relation zu ihrem Arbeitsaufwand standen. Die Nüchterheit und „Coolness“ mit der da Musik gespielt wurde, war für mich befremdlich. Völlig unverhofft wurde ich dann Mitglied der Band “Sanza“ mit Frank Haunschild, Michael Küttner, Tom van der Geld und Norbert Gottschalk. All diese Musiker waren meine Dozenten an der Muho Köln und somit die etabliertesten Spieler, mit denen ich zu diesem Zeitpunkt arbeiten konnte. Die Energie und der Probeeifer, mit dem dieses Projekt zunächst angegangen wurde, waren für mich eine Lehrstunde in Sachen Einstellung und Arbeitsethos. Mit welcher Liebe zur Musik und mit welchem Enthusiasmus diese „alten Hasen“ ein Projekt, deßen Ausgang völlig ungewiss war, angingen, zeigte mir neue Perspektiven. In der Folge begann ich Schritt für Schritt, diese Erfahrungen auch auf meine eigenen Projekte zu übertragen. Obwohl ich mittlerweile stilistisch andere Wege als die Musiker von „Sanza“ beschreite, bin ich für die oben beschriebenen Erfahrungen zutiefst dankbar. 

Der Bass: Von dem Tag, an dem ich zum ersten mal markerschütternd die E-Saite eines Basses gezupft hatte, war für mich offensichtlich, das dieses Instrument mein natürliches Ausdrucksmittel ist. Besonders am Kontrabass fasziniert mich die klangliche Ausdrucksbreite und seine verbindende Rolle zwischen den musikalischen Komponenten. Als Bassist hat man darüber hinaus die Möglichkeit, Musik permanent mitzugestalten. Das Spannungsfeld zwischen Gruppendienlichkeit und Soloexkursion entspricht aus meiner Sicht, auch im "wahren" Leben, meiner Persönlichkeit. 

Komposition: Von früh an war das kreative Erfinden von Stücken für mich ein wichtiger Bestandteil des Musikmachens. Im Laufe der Jahre ist so eine Vielzahl von Kompositionen entstanden. Diese werden meist für eine bestimmte aktuelle Besetzung konzipiert. Wie die meisten Komponisten glaube ich an "Inspiration" nur als auslösendes Moment. Die Fertigstellung einer Komposition ist dann bis hin zum Notenausdruck wahlweise aufwühlende wie auch friedvolle Arbeit, die in der Umsetzung mit realen Musikern zumeist ihr glückliches Ende nimmt.

Equipment: Mein Kontrabass ist ein 14 Jahre alter Bass von Wilfer, an dem "mein" Geigenbauer Willi Balsereit im Lauf der Jahre so einiges verbessert hat. Der Pick-up mit dem dazugehörigen Vorverstärker ist auch von Balsereit. Mein Amp ist immer noch von "Walter Woods" und die dazugehörige Box ist eine Art "Glockenklang" Nachbau von Robert Schmidt. Seit neusten habe ich ein zweites System für meine "Loop"-Aktionen. Hier benutze ich nach langen Suchen das "Oberheim-Echoplex". Mein Hall ist von Behringer. Vom Walter Woods (oder vom Balsereit Pre-amp) gehe ich in eineEndstufe von "Taylor" und von dort weiter in eine 1x10 plus Horn Box von SWR. Außerdem spiele ich eine Bass-slit-drum der Firma Schlagwerk und eine afrikanische Blekete. Wenn ich E-Bass spiele, benutze ich einen günstigen, aber sehr schönen Yamaha 5-saiter mit hoher C-Saite. 


Perspektiven: Mit der Gründung von "crecycle.music" habe ich ein Forum geschaffen, in dem ich in den nächsten Jahren meine Vorstellung davon, was dieses dehnbare four-letter-word "JAZZ" alles aushalten kann, realisieren werde. Ich hoffe, mit meinen Projekten auf den unterschiedlichsten Bühnen präsent zu sein. Hier möchte ich ein Publikum erreichen, das sich mitdenkend und fühlend der zunehmenden Trivialisierung unserer Kultur verweigert. In meiner Generation hat sich, allein schon in meinem unmittelbaren Umfeld, ein unvorstellbar großer Vorrat an Ideen und Projekten entwickelt. Leider wird diesen Künstlern zunehmend aufgrund des allgemeinen Zustands der "Szene" der Nährboden entzogen. Wir werden nicht umhinkommen, wenn wir nicht an Hochschulen flüchten wollen, verkrustete Strukturen im Kulturbetrieb mit enormer Gradliniegkeit zu überwinden. Hierbei werden wir meiner Meinung nach auch einen, im Zuge der 68ziger Liberalisierung verschleierten, Generationskonflikt reichlich verspätet auszutragen haben.


In den letzen Jahren konnte ich live und / oder im Studio mit einigen phantastischen Musikern spielen. Manche Begegnungen waren zeitlich intensiver und andere kurze, besondere Augenblicke:

Alex Acuna, Mustapha Teddy Addy, Daniel Basso, Henning Berg, Dirk Berger, Mathias Bergmann,
Günther Bollmann, Gerd Breuer, Maria Braganca, Rob van den Broeck, Kurt Billker, Martin Classen, Jose Cortijo, Karl-Heinz Danyel, Lydia van Damm, Philipp van Endert, Raimund Engelhardt, Dirk Engelhardt, Chris Eidens, Axel Fischbacher, Xaver Fischer, Hinrich Franck, Jürgen Friedrich, Tom van der Geld, Alex Gunia, Danny Gottlieb, Norbert Gottschalk, Rob Hall, Mathias Haus, Frank Haunschild, Anne Hartkamp, Stefan Heidtmann, Theo Heinz, Christoph Hillmann,Thomas Heberer, Harald Ingenhag, Derrick James, Barbara Jungfer, Wolfgang Katt, Peter Kahlenborn, Rüdiger Krause, Uli Krämer, Olaf Kübler, Frank Kirchner, Michael Küttner, Bernd Kaftan, Zoltan Lantos, Tom Lorenz, Irene Lorenz, Oli Leicht, Jojo Lemke, Dave Liebman, Thomas Loup, Mario Mammone, Charlie Mariano, Kenny Martin, Stephan Meinberg, Dietmar Mensinger, Angelika Niescier, Pablo Paredes, Joe Porcaro, Georg Ruby, Jochen Rückert, Celiné Rudolph, Helen Sachs, Michael Sagmeister, Sandhya Sanjana, Andreas Schmidt, Martin Speight, Markus Segschneider, Quique Sinesi, Hendrik Smock, Christoph Spendel, Mirco van Stiphout, Marcus Sukiennik, Yonga Sun, Johann Svenson, Hendrik Soll, Sergio Teran, George Tjong-Ayong, Christian Thomé, Claudius Valk, Peter Weiss, Andreas Wildenhain, Rainer Witzel, Torsten de Winkel, Fritz Wittek, Nils Wogram , und noch viel mehr - die ich vergessen habe, bitte melden.

Matthias Niese ©