Walter Bockmayer

Regisseur

Schon Mitte der 70er Jahre ist Walter Bockmayer in Köln berühmt: Seine schrägen 8-Millimeter-Filme, die er gemeinsam mit seinem Lebensgefährten Rolf Bührmann und seiner „Entenproduktion“ realisierte, wurden in der noch jungen Kölner Filmszene begeistert aufgenommen.

1970 war er aus dem rheinland-pfälzischen Pirmasens nach Köln gezogen. Die Lehre als Großhandelskaufmann hatte er geschmissen und versucht, sich als Kantinenhilfe in den USA durchzuschlagen. In Köln schließlich hatte er als Ankleider im Schauspielhaus begonnen.

Sein erster großer Spielfilm, „Jane bleibt Jane“ von 1977, machte ihn weit über die Grenzen der rheinischen Metropole hinaus bekannt. Rainer Werner Fassbinder lobte das verträumt-utopische Werk als „den schönsten Film, der je in Deutschland gedreht wurde.“ Walter Bockmayer zählte damals zu den Machern des „Neuen deutschen Films“. Weitere Spielfilme wie „Flammende Herzen“(1977), „Looping“(1980), „Kiez“ und „Geierwally“ (1987) folgten. Zweimal wurde er sogar mit dem Bundesfilmpreis ausgezeichnet.

Schon 1975 hatte er im Kölner Studentenviertel – das im Kölschen Volksmund „Kwatier Latäng“ heißt – die „Filmdose“ eröffnet. Eine Kneipe, die sich mehr und mehr zum Treffpunkt der Kölner Künstler- und Spontiszene entwickelte. Auch an den großen Theatern Deutschlands (Bochum, Essen, Bremen, München) begann er, sich als Regisseur einen Namen zu machen – unter anderem mit der deutschen Uraufführung der „Rocky-Horror-Show“ (1979). Seine Inszenierung von Peter Greiners „Kiez“ wurde auf dem Berliner Theatertreffen als bestes Stück des Jahres 1981 ausgezeichnet.

1984 gründete Walter Bockmayer, der mittlerweile überall „Wally“ hieß, das „Theater in der Filmdose“. Sein erstes Stück, „Geierwally“, sorgte für ziemlich viel Furore und wurde insgesamt 750-mal in der Filmdose und in ganz Deutschland gespielt. Das „Theater in der Filmdose“ wurde „zum Sprungbrett für junge Künstler und zum Antidepressivum für Theatergeher“: Die „Geierwally“ oder „Sissi – Beuteljahre einer Kaiserin“ wurden Riesenhits. Darsteller wie
Ralph Morgenstern, Dirk Bach, Veronika Ferres oder Hella von Sinnen – sie alle haben bei Walter Bockmayer gespielt.

Seit 2000 ist das legendäre „Kaiserhof-Theater“ geschlossen. Bockmayer und Bührmann haben es verkauft.  Doch Wally und sein Lebensgefährte Rolf Bührmann, der die Geschäfte der Kaiserhof GmbH führt, machen weiter...
Kölner Stadtanzeiger

In meiner Studentenzeit habe ich das Glück gehabt und in der Filmdose gearbeitet. So habe ich Walter, Rolf, Rapalla, Hella, Dirk, Dada Stievermann, Alexander Moll,
Michi Kleiber, Anne Rixmann und noch viele Menschen mehr kennen lernen können. Und ich habe immer mit Freude den absurd klingenden Geschichten von Walter gelauscht. Bunt waren sie immer. Eine tolle Zeit. Wally hat mir immer nette Urlaubsgrußkarten wie oben die geschickt.
Matthias Niese


Matthias Niese ©